Die TT Anlage

Es wurde daraus dann schließlich eine Anlage in L-Form. Wesentliche Teile, wie die große Pertinaxplatte für den klappbaren Teil des Bahnhofs, konnte ich erst in der Lehre beschaffen.
In dieser Zeit, mit einem Minimum an monetärer Unabhängigkeit und auf Tauschmärktem meiner AG, konnte ich etwas zielstrebiger Fahrzeugpark und Material beschaffen.
Hilfreich waren natürlich auch das Arbeiten in den Ferien bei Berliner-TT-Bahnen und die spontanen Besuche bei Berliner-TT-Bahnen in der Storkower Straße. Dort war der Werkzeugbau und ein Teil der Produktion, und deshalb auf der Straße ein Abfallbehälter. Die dort 'gefundenen' Spritzlinge waren noch jahrelang Basis für so manchen Umbau.
 
Die Anlage
Zwei unabhängige, verschlungene Kreise mit jeweils drei sichtbaren Bahnhofsgleisen und drei Schattenbahnhofsgleisen. Zwischen beiden Kreisen nur Übergänge durch Kehrschleifen. Entsprechend der kürzesten Gleise betrug die Länge maximal 5 Y-Wagen+Lokomotive.
 
 
Ansicht des linken Schenkels der L-förmigen Anlage. Schrankenantrieb mit langsam laufenden Motor. Abdeckung für Foto entfernt.

Technik
Im Lauf der Jahre entwickelte ich für die beiden Strecken inklusive der Übergänge eine sehr aufwendige Steuerung. Hauptparameter war die zugartenabhängige Steuerung der Bahnhofsein- und Ausfahrten. D.h. es gab drei Kategorien von Zügen, D-Züge, Güterzüge und Personenzüge. Diese wurden durch die Anordnung von Magneten unter dem letzten Waggon unterschieden. Für jedes Bahnhofsgleis war eine Normalbelegung vorgesehen. War dieses Gleis frei, konnte der passende Zug dort anhalten (Langsam mit Anfahr/Bremsbausteinen). War das für den jeweiligen Zug passende Gleis belegt, schaltete die Steuerung auf Durchfahrt. Ebenso konnte die Zugart gewählt werden für die Einfahrt in die Übergangsgleise vom Außen zum Innenkreis (und umgekehrt). Wenn am Tastenfeld des Übergangsgleises z.B. P-Zug gewählt war, dann ist der nächste Zug dieser Gattung in das Übergangsgleis gefahren und hat dort angehalten. Die Ausfahrt wurde dann manuell ausgelöst. Die Betriebsart (Automatik/Manuell) konnte für jeden Kreis getrennt geschaltet werden. Der kleine Rangierbereich mit dem obligatorischen Lokschuppen war natürlich nur per Hand zu betreiben. Die ganze dazu notwendige Elektrotechnik/ Elektronik wurde über Jahre beschafft und entwickelt.

Anscicht Schaltpult
Ansicht des Schaltpults
Signale: aus Handsignalen mit Rundrelaisantrieb
Weichen: Handweichen, Antrieb abgesägt, Schwellen ergänzt, Antrieb durch modifizierte Flachrelais
 
Fahrzeuge
Den Großteil der Fahrzeuge machten die damals verfügbaren Modelle aus. Aber einige Lokomotiven wie eine 120 (Taigatrommel), eine Lok der Baureihe 80 und eine 22 habe ich damals auf Basis der handelsüblichen Modelle umgebaut. Die letzten beiden existieren noch, die 22 unvollendet. Aufgrund eigener Fotos der abgestellten 22 038 in Saalfeld hatte ich für mein Modell einen preußischen 2’2’T 31,5 Tender vorgesehen, mit dem diese Maschine aber wohl nie gefahren ist.
Eine weitere Besonderheit waren die von mir entwickelten und in großer Anzahl hergestellten Steifkupplungen. Da die Züge immer nur als Ganzeinheiten gefahren werden konnten, waren diese besonders auch für einen reibungslosen Betrieb im Automatikmodus notwendig.



Mit den Steifkupplungen waren die Züge komplett gekuppelt, die Verbindung zur Lok erfolgte mit der normalen Kupplung. Diese Steifkupplungen sorgten nebenbei auch noch für einen stark verringerten Pufferabstand.



Meine in den 80er entwickelten Steifkupplungen von unten


Auf der Anlage konnten pro Kreis max. 6 Züge eingesetzt werden, das heißt für diese Züge war auch das rollende Material vorhanden.
Die Geländegestaltung war noch nicht erfolgt, es war lediglich eine geschlossene Geländedecke vorhanden. Nach jahrelanger Arbeit war es dann schon faszinierend, den automatischen Betrieb zu beobachten. Aber der Mangel an Rollmaterial in den Geschäften und deren mangelhafte Qualität ließen doch auf lange Sicht keine Freude mehr aufkommen. So gab es z.B. 1977 (siehe Katalog z.B. http://home.tu-clausthal.de/~wefg/bttb7701.html) nur zwei große DR-Dieselloks (118/130) und nur zwei große Dampfloks (23/56). Zumal dann auch andere Interessen in den Vordergrund rückten und daher die Modellbahn für längere Zeit in den Hintergrund trat.
Außerdem ist das Bauen ja das schönste am Hobby Modelleisenbahn. So habe ich dann diese Anlage verkauft, an den Abtransport kann ich mich noch sehr genau erinnern. Eine Platte auf dem Dachgepäckträger eines Trabant, die andere auf dem Anhänger. Und los ging es über das Kopfsteinpflaster … Was aus der Anlage wohl geworden ist?

Nachtrag: 
Vor kurzem kam mir eine noch Original verpackte Tüte mit Bäumen in die Hände. Darin das Etikett des Herstellers:


Blühende Bäumchen für "Blühende Landschaften" Made in GDR.
Eine Abbildung der "Bäumchen" selbst erspare ich dem geneigten Publikum, es sei aber gesagt, daß die Bäume in das NSW ausreisen durften.

Nachtrag II
Die Seiten über die TT-Anlage führen immer noch die Zugriffsstatistik an. Anlaß die wenigen 'Überlebenden' aus dieser Zeit noch mal aus der Vitrine zu holen und auf der heutigen Anlage zu fotografieren.


Die 80 mit zwei alten Preußen



Die unvollendete 22 mit einem verlängerten pr 2'2'T31,5